Der Existenzrealismus (ER) ist eine Theorie der zeitlichen Wirklichkeit. Er versteht diese Wirklichkeit als zweistufig: Nur Gegenwärtiges existiert. Die umfassendere Realität schliesst jedoch auch vergangene Tatsachen und objektiv begründete zukünftige Möglichkeiten ein. Daraus ergibt sich ein neuer Blick auf Zeit, Veränderung und unsere Stellung in der Welt.
ER in Kürze:
Der Existenzrealismus versteht die zeitliche Wirklichkeit als zweistufig. Die erste Ebene ist die Existenz: das, was gegenwärtig konkret instanziiert ist. Nur Gegenwärtiges existiert. Die zweite Ebene ist die umfassendere Realität. Sie schliesst neben dem gegenwärtig Existierenden auch vergangene Tatsachen und objektiv begründete zukünftige Möglichkeiten ein. Die Vergangenheit ist real, weil sie tatsächlich geschehen ist. Die Zukunft ist real als offener, durch gegenwärtige Bedingungen, Wahrscheinlichkeiten und Entscheidungen strukturierter Möglichkeitsraum. Existenz ist damit eine gegenwärtige Form der Realität, aber nicht mit der gesamten Realität identisch. Aus dieser zweistufigen Ontologie ergibt sich ein neuer Rahmen für Fragen über Erinnerung, Kausalität, Veränderung, Wahrscheinlichkeit, Verantwortung und moderne Physik.